Snow Bike Festival Gstaad

Schon zum dritten Mal hintereinander startete ich meine Mountainbikesaison am Snow Bike Festival in Gstaad. Dies ist ein viertägiges, internationales Etappenrennen auf Schnee. In diesem Jahr meinte es das Wetter gut mit uns Fahrern und bei perfekten winterlichen Bedingungen fanden die Rennen im Berner Oberland statt. 

Ich konnte auch meine Partnerschaft mit dem Park Hotel verlängern und wie in den vergangenen beiden Jahren durfte ich während der Rennen dort übernachten und von einem super Hotel mit freundlichen Mitarbeitern profitieren. So ist die wichtige Erholung zwischen den Etappen gleich viel einfacher. 

Mein Ziel in diesem Jahr war natürlich, meinen letztjährigen Gesamtsieg zu wiederholen. 

 

Prolog

Als Prolog absolvierten wir ein Zeitfahren über dreizehn Kilometer. Als letztjähriger Gewinner musste ich die Strecke als Letzter in Angriff nehmen und aufgrund der ausgefahrenen Piste entschied ich mich zwei Minuten vor dem Start noch auf die breiteren Reifen zu wechseln. Mit diesem Setup beendete ich den Prolog auf dem guten dritten Rang mit nur wenigen Sekunden Rückstand auf den Sieger. Ich freute mich über den geglückten Start und ging mit einem sehr guten Gefühl in die kommenden drei Tage. 

 

Stage 1

Zum ersten Mal in der Geschichte des Snow Bike Festivals startete eine Etappe zuoberst auf dem Rinderberg mit einem Downhill über eintausend Tiefenmeter. Niemand wusste was uns genau erwartete, aber ich freute mich riesig auf diese neue Herausforderung. Bei minus zwanzig Grad starteten wir um 8:30 Uhr. Meine Daunenjacke, die ich eigentlich am Start noch ausziehen wollte, zog ich dann aber erst nach der Abfahrt unten in Zweisimmen ab. 

Nun aber zu meinem Rennen an diesem Tag. Da ich die Skipiste vom Rinderberg nach Zweisimmen nicht kannte, nahm ich mir vor, dass ich nicht zu viel Risiko eingehen werde. Als der Start aber einmal lanciert war, konnte ich mich nicht mehr zurückhalten und der Vorfahrer auf den Skis hängten wir nach Hälfte der Abfahrt mit unseren Bikes ab.  Wir absolvierten die Abfahrt in etwas mehr als fünf Minuten mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 63 km/h und einer Maximalgeschwindigkeit von 82 km/h.  Das hat einfach nur mega grossen Spass gemacht. 

Mit drei weitern Fahrern kam ich schon mit einem Vorsprung von dreissig Sekunden unten an. Als der aktuelle Leader Ramon Lauener nach gut einem Kilometer im Anstieg nach Saanenmöser zu uns aufschloss und dann auch vorbeizog, hängte ich mich an sein Hinterrad. Zusammen harmonierten wir sehr gut und konnten unseren Vorsprung auf den verbleibenden dreissig Kilometern bis ins Ziel ausbauen. In einem Zielsprint sicherte ich mir den Etappensieg und konnte mich im Gesamtklassement auf den zweiten Rang vorschieben. Nun fehlten mir noch zwanzig Sekunden auf das Leader-Trikot. 

 

Stage 2

Am dritten Tag stand die Königsetappe auf dem Programm. Zuerst fuhren wir von Saanen rund sieben Kilometer und sechshundert Höhenmeter aufs Eggli und mit einer darauffolgenden Schlaufe auf den Langlaufloipen nach Gsteig und wieder zurück nach Gstaad. 

Vor dem Eggli-Anstieg hatte ich etwas Respekt, da ich wusste, dass meine breiteren 27.5+ Reifen auf den ersten Kilometern des Teer-Anstieges nicht so gut rollen wie die normalen Cross-Country Reifen der Konkurrenz. Ich musste enorm leiden und konnte der Spitzengruppe nicht folgen. Als wir endlich die Skipiste erreichten, konnte ich meine breiteren Reifen ausnützen und bis wir oben am Bergpreis angekommen waren, lag ich wieder an der zweiten Position. Mental war der erste Teil des Anstieges sehr hart, aber wenn du merkst, dass du wieder Boden gutmachen kannst, dann ist dies ein super Gefühl. 

Als ich in die Abfahrt ging, war nur noch ein Fahrer vor mir, nämlich der momentane Leader. Ich wollte unbedingt in der Abfahrt diese Lücke schliessen, damit ich in der darauffolgenden, mehrheitlich flachen Passage, nicht alleine fahren musste. 

Ich nahm in der Abfahrt extrem viel Risiko und kam Lauener immer näher. Dann passierte es, kurz vor Ende der Abfahrt fuhr ich etwas zu schnell in eine Kompression und drückte mir dort den Reifen ab, so dass ich viel Luft verlor. Mit sehr wenig Luft musste ich nun mehr als zehn Kilometer dazu auch noch einen zwei Kilometer langen Anstieg bewältigen, bis ich endlich in der Tech-Zone mein Rad auswechseln konnte. Der Spitzenfahrer war bis dahin definitiv weg und ich wurde auch noch von einer weiteren Gruppe abgehängt. 

Nach dem Radwechsel kämpfte ich mich zehn Kilometer alleine zurück ins Ziel und versuchte meinen Rückstand zu verkleinern. 

Mit dieser missglückten Etappe fiel ich auf den sechsten Gesamtrang zurück und verlor auf den zweiten Rang mehr als zwei Minuten und auf Lauener sogar fünf Minuten. Dieser gewann die zweite Etappe souverän. 

 

Stage 3

Heute hiess es „all-in“ und ich wollte zwei Minuten gutmachen, um noch auf den zweiten Gesamtrang vorzustossen. Der aktuelle Leader war mit einem Vorsprung von mehr als fünf Minuten unerreichbar weit weg. Ich wusste, dass dies sehr schwierig werden kann, denn die Fahrer vor mir waren alle sehr nah beisammen und diese würden mich nicht einfach so wegfahren lassen und sicher gut zusammenarbeiten, um mich gegebenenfalls wieder einzuholen. 

Somit musste ich diese auf dem falschen Fuss erwischen. Im letzten Jahr ist mir dies auf der identischen Etappe (Turbachtal & Lauenensee) auch gelungen und ich konnte diese mit einem grossen Vorsprung gewinnen. 

Der Start der Etappe lief wie geplant und ich erreichte den Bergpreis im Turbachtal in der Spitzengruppe. Danach attackierte ich zum ersten Mal, ich kam weg, aber auf der Teerstrasse nach Lauenen wurde meine Attacke wieder neutralisiert. Schade!

Ich wusste, dass ich in der Abfahrt nach dem Lauenensee noch einmal eine Möglichkeit für eine Attacke haben würde. Ich versuchte, in der Spitzengruppe Energie zu sparen und wie geplant setzte ich in der eisigen Abfahrt nach dem Lauenensee zu meiner zweiten Attacke an. So habe ich es im letzten Jahr gemacht und ich konnte mich tatsächlich auch etwas absetzen. In den noch verbleibenden zwölf Kilometern bis ins Ziel gab ich alles. Ich wusste, dass ich den Etappensieg auf sicher haben werde, aber ich wollte noch mindestens zwei Minuten auf die fünf Fahrer, welche im Gesamtklassement noch vor mir lagen, gutmachen. Diese harmonierten jedoch so gut zusammen und ich konnte alleine gegen fünf Fahrer, welche ihren Platz im Gesamtklassement vor mir verteidigen wollten, nur einen Vorsprung von dreissig Sekunden herausholen. Dies reichte leider nur, um mich im Gesamtklassement noch einen Platz nach vorne zu schieben. Wenigstens konnte ich noch meine zweite Etappe gewinnen. 

 

Fazit 

Auch wenn ich mit meinem 5. Schlussrang überhaupt nicht zufrieden bin, war für mich das Snow Bike Festival sehr erfolgreich. Meine Platzierungen in den Etappen waren sogar besser als im vergangenen Jahr und ich durfte von vier Etappen drei Mal auf dem Podest stehen und gar zwei Etappen gewinnen. Dies zeigt, dass das Rennen unter den besten Fahrern in diesem Jahr sehr eng war und man sich keine Fehler leisten durfte. Vielen Dank an alle Fahrer für die spannenden Rennen und am Ende hat der Fahrer gewonnen, welcher am wenigsten Fehler gemacht hat